 |
Johann Hegetschweiler (1789 Rifferswil - Zürich 1839) war schon während seines
Medizinstudiums in Tübingen leidenschaftlicher Botaniker. Dabei interessierte
ihn die Frage, welche Modifikationen Pflanzen unter verschiedenen
Standortbedingungen entwickeln. Reichhaltiges Anschauungsmaterial dazu fand er
in den Schweizer Voralpen. Mehrmals versuchte er die Erstbesteigung des Tödi.
Nach dem Spott der Zeitgenossen zu urteilen, scheiterte er jedoch nicht an der
Schwierigkeit des Berges. Vielmehr soll er sich in endlosen Betrachtungen der
Pflanzen verloren haben, die ihn immer wieder vom Weg auf den Gipfel abbrachten.
Ab 1826 erschien sein Werk über die Flora der Schweiz in Lieferungen. Acht Jahre
dauerte es, bis die ersten 80 Lieferungen mit insgesamt 480 handkolorierten
Tafeln abgeschlossen waren.
Die Abbildungen fertigte der Basler Jonas David Labram (1785 - 1852). Als
Autodidakt hatte er sich das neue lithographische Verfahren angeeignet. Bei der
Kolorierung half die Tochter Luise, und da die Kunst die Familie nicht ernähren
konnte, betrieb seine Frau eine Wäscherei.
Während Labram bis an sein Lebensende Pflanzendarstellungen lithographierte
und kolorierte, war Hegetschweilers Schicksal spektakulär. Seit 1831 gehörte er
als gemässigter Liberaler dem Regierungsrat des Kantons Zürich an. Unter anderem
betrieb er die Neuanlage des botanischen Gartens. Dann kam es 1839 zum "Züriputsch":
Religiös-konservative Landbevölkerung, die sich von Industrialisierung und
liberaler Gesinnung bedroht fühlte, besetzt die Stadt. Ihr Ziel war der Sturz
der als gottlos angesehenen freisinnigen Regierung. Als Regierungsrat
hegetschweiler die Kapitulation der kantonalen Truppen überbringen will, erhält
er einen Kopfschuss und stirbt wenige Tage später.
Das Ereignis von 1839 bewirkte Sprachgeschichte. Das alemannische 'Putsch'.
gleich 'starker Stoss', ging darauf in viele Sprachen als Synonym für einen
Staatsstreich gegen eine bestehende Regierung ein.
Hegetschweiler, Johann: Sammlung von Schweizer Pflanzen
nach der Natur und auf Stein gezeichnet von J[onas] D[avid] Labram.6 Bände.
Zürich, J. Esslinger, [1826-1834]. Ohne Paginierung: Blatt mit lithogr. Bordüre,
lithogr. Titel, 2 nn. S. "Ankündigung einer Sammlung von Abbildungen
Schweizerischer Pflanzen", 2 nn. S. (Nachricht, die Herausgabe der Sammlung von
Abbildungen von Schweizerpflanzen betreffend), 480, in der Regel eine Seite
umfassende Pflanzenbeschreibungen, 480 lithogr. und handkolorierte
Pflanzendarstellungen auf Tafeln. 8°, braunes HLeder der Zeit mit RVergoldung
und Rückenschild. 2.400.- €
Nissen, BBI, 838. - Es handelt sich um die erste Folge, eine
weitere Folge von 402 Tafeln erschien von 1836-1840. Anders als von
Hegetschweiler in der "Nachricht" vorgeschlagen, sind Beschreibungen und
Abbildungen nicht in getrennte Bände gebunden; vielmehr folgt auf die
Beschreibung der Pflanze die entsprechende Abbildung. - Das Werk ist vollständig
und sauber; lediglich die Rückenkanten sind beschabt.
|